„Narri – Narro“ statt „Guten Tag“

Burladingen (hp). Richtige Fasnetsnarren grüßen sich mit einem kräftigen "Narri - Narro". Das wissen jetzt auch die Kinder der beiden Kindergärten sowie zahlreiche Schüler.

Der katholische Kindergarten St. Fidelis bekam dieser Tage närrischen Besuch von einem Nautle und einem Buchhaldenbutz, die sie über das Burladinger Fasnetsbrauchtum informierten. Anna Hauser hatte sich den Buchhaldenbutz angezogen, Johannes Leibold das Häs des Nautle. Beide erklärten den Kindern, wie es zur Entstehung der Fasnetsfiguren kam. Der Nautle war nach mündlicher Überlieferung ein altes, knickriges Albbäuerlein, das neben der Landwirtschaft mit verschiedenen Hausiererwaren handelte. Der Begriff Nautle ist ein alter Übernahme der Burladinger und wurde deshalb als Symbolfigur für die Burladinger Fasnet übernommen. Die Figur, die neben der Holzmaske, Pfeife, Schnupf- und Halstuch – das alles stellte Leibold vor - auch noch ein landwirtschaftliches Gerät im bäuerlichen Jahresablauf gegliedert in die vier Jahreszeiten mit sich führt, wird charakterisiert mit dem alten Spruch: „Witzig und gradraus, bockboinig bis detnaus, und wenn's sei muaß au saugrob, des isch da Nautle ihra Lob. Ein alter überlieferter Spruch besagt: „S'Burladinger Holz isch s'bescht Holz vo älla Hölzer“. Diese Aussage deutet darauf hin, dass die Beziehung der Burladinger zu ihrem Wald seit jeher sehr eng war. Als eine der waldreichsten Gemeinden von Baden-Württemberg spielte der wirtschaftliche Faktor Wald, insbesondere die vorherrschende Buche eine große Rolle. Mit der Schaffung des Buachhaldabutz wollte die Narrenzunft Nautle diesem Umstand Rechnung tragen. Der Name der neuen Maske setzt sich zusammen aus dem Gewann „Buchhalde“ und der Fasnetsfigur Butz, die im Hohenzollerischen Raum sehr verbreitet ist und auf verschiedenste Weise dargestellt wird. Die Maske soll die Buche mit der ihr eigenen Charakteristika darstellen. Herausgearbeitet wurden deshalb die Bucheggern, Laubrispen und Astgabelungen. Entsprechend der Schönheit des Waldes, wie sie von einem Spaziergänger an einem hellen Frühlingstag empfunden wird, ist diese Maske freundlich gehalten. Als Gegensatz gibt es zum auch eine unfreundliche, dämonische Maske, die die Gefühle des Menschen an einem kühlen, nebligen und dunklen Herbsttag im Wald widerspiegelt. Das Plätzleshäs zeigt die vielfältigen Farben des Laubwaldes im Wandel der Jahreszeiten, die einzelnen Plätzle haben die Form von Buchenblättern. Der Gürtel mit den Glocken soll eine Verbindung zu dem Geläut der Arbeitspferde herstellen, die in früherer Zeit bei der Holzarbeit eingesetzt wurden. Als närrische Attribute führt der Buachhaldabutz Lärminstrumente aus Holz oder einen naturgewachsenen „Buchenprügel“ mit sich. Am meisten aber interessierten sich die Kinder für die schönen, aus Lindenholz geschnitzten Masken, die sie auch selber aufsetzen durften. Auch die Rätsche des Buchhaldabutz durften sie ausprobieren und stellten fest, dass man ganz schön viel Kraft braucht, um mit ihr Lärm zu machen. Auch Süßigkeiten hatten die Nautle für die Kinder mit gebracht. Johannes Leibold, der auch „Läufer“ bei der Burladinger Fasnet ist, hatte zudem sein weißes Hemd mit den aufgenähten farbigen Schleifen dabei. Die Figur des Läufers ist eine Einzelfigur und schon über hundert Jahre alt. Der Läufer glossiert jedes Jahr an der Fasnet das Geschehen in Burladingen. Am Ende des Besuches bedankte sich Kindergartenleiterin Sylvia Wilhelm bei den beiden Narren für ihr Kommen und ihre interessanten und kindgerechten Ausführungen. Auch die Kindertagesstätte Jahnstraße wurde besucht, in der Grundschule sowie dem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt Lernen, der Erich-Kästner-Schule waren Susi Ruf und Leila Brandner als Vertreter der Zunft.

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